• Frank Bieser

Angst essen Transformation auf

Aktualisiert: 6. Dez 2019

Angst spielt eine große Rolle in Veränderungsprozessen. Warum? Weil Menschen, die vor etwas Angst haben, gehemmt sind und nicht ihre volle Leistungsfähigkeit abrufen können. Aber lassen Sie uns zunächst einmal den Begriff klären.


Was ist Angst?

Grundsätzlich muss man Angst von Furcht unterscheiden. Vereinfacht gesagt ist Furcht eine starke Reaktion auf eine konkrete Bedrohung: Wenn Sie beispielsweise ohne Fallschirm aus einem Flugzeug springen, ist Furcht vor dem Aufprall angemessen. Angst hingegen ein unangenehmer Zustand aufgrund einer abstrakten Situation: Dass uns der Himmel auf den Kopf fällt, macht nur manchen Bewohnern eines gewissen gallischen Dorfes Angst.


Wenn wir mit einer neuen Situation konfrontiert werden, gleichen wir in Bruchteilen einer Sekunde die Eindrücke und Sinnesinformationen mit unseren persönlichen Erfahrungen ab. Sofern wir einen ähnlichen Kontext einst als bedrohlich empfunden haben, steuert das Gehirn unseren gesamten Organismus in ein Notprogramm. Angst entsteht und zwingt uns zur Vorbereitung auf Flucht oder Kampf, so dass wir zeitweise kognitiv eingeschränkt sind. Stresshormone führen dazu, dass Blutdruck und Herzfrequenz steigen. Erst dann laufen die intellektuellen Unterprogramme los und suchen nach alternativen Erklärungen.


Wer hat Angst?

Unserer Beobachtung nach ist Angst in Organisationen durchaus verbreitet. Auch wenn es auf den ersten Blick wenig intuitiv erscheint: Führungskräfte haben oft genauso viel (oder gar noch mehr) Angst wie ihre Mitarbeiter. Einige Beispiele aus unserer Beobachtung:

  • Eine Führungskraft hat Angst vor negativen Auswirkungen auf die Karriereplanung.

  • Eine andere Führungskraft hat Angst davor, aufgrund der Veränderungen nicht mehr “geliebt” zu werden.

  • Eine weitere Führungskraft hat Angst davor, entbehrlich zu werden.

  • Eine Mitarbeiterin hat Angst vor Über- oder Unterforderung.

  • Ein Mitarbeiter hat Angst davor, seine informelle Rolle zu verlieren.

  • Eine Mitarbeiterin mit einer guten Idee hat Angst vor Zurückweisung.

Angst per se ist nichts Schlechtes (so lange sie nicht in einer krankhaften Phobie mündet). Im Gegenteil: Angst einzugestehen erfordert Reflexionsfähigkeit - eine der wichtigsten Voraussetzungen in Veränderungsprozessen.


Was tun bei Angst?

Ihre eigenen Ängste dauerhaft zu unterdrücken oder die von anderen zu ignorieren macht krank. Menschen in Organisationen spüren, wenn die Führungskraft Angst hat und umgekehrt. Diese unbewusste Wahrnehmung ins Bewusstsein zu holen ist wichtig und gar nicht so schwierig.

Wenn Sie Angst haben oder bei anderen wahrnehmen, sprechen Sie sie offen an.

Das erfordert Mut. Offenheit und Mut sind übrigens Werte, die in einer agilen Organisation von Bedeutung sind.

Sie können unabhängig von Position und Rolle ein Vorbild sein, wenn Sie offen und empathisch sind. Finden Sie Vertraute, und verlassen Sie sich dabei auf Ihr Bauchgefühl. Echtes Vertrauen kennt die Linien im Organigramm nicht.


Sie werden feststellen, dass die Menschen Ihnen mit Verständnis und Hilfsbereitschaft begegnen. Je nach Reife Ihrer Organisation werden Sie auch andere animieren, über deren Ängste zu sprechen. Achten Sie auf Schlüsselwörter wie “Bedenken”, “Sorge”, “Unsicherheit”, “Einwände”, "Verbesserungsvorschläge", und lernen Sie deren wahre Ursachen zu ergründen. Diese sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich, weil wir alle unsere eigene Geschichte haben. One size doesn't fit all.


Aufrichtige Dialoge verbinden, und Sie können von den Erfahrungen Anderer profitieren. Alleine das Explizitmachen Ihrer Wahrnehmungen schafft Vertrauen und stärkt Authentizität. Sie fördern damit ein Umfeld, in dem Veränderungen leichter gelingen.


Angst brauchen Sie nicht zu fürchten.

Wenn Ihnen dieser Beitrag gefällt, abonnieren Sie doch unseren Newsletter.

  • Xing - White Circle

© 2019 Frank Bieser Consulting e.U. - Seepark B 6 - 2522 Oberwaltersdorf - Österreich