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  • Frank Bieser

Professionalität ist etwas für Profis

In diesem Beitrag beschreibe ich, was meiner Meinung nach professionelles Verhalten zeigt. Dieses Thema ist für mich deshalb so wichtig, weil Professionalität der Nährboden der digitalen Transformation und für Weiterentwicklung im Unternehmen ist.

Vor ein paar Jahren nahm ich an einer Eskalationssitzung teil, bei der ein Manager klare Schritte von einem externen Dienstleister forderte, der bis dato keine Lösung gefunden hatte. Es war eine sehr direkte Ansprache mit einer kurzen Liste von Aufgaben und einer scharfen Frist am Ende. Nicht nur ich hatte den Eindruck einer Befehlsausgabe. Man einigte sich schließlich auf die Maßnahmen und Termine. Während sich alle auf die Abreise vorbereiteten, sagte einer der Mitarbeiter den Delegierten des Dienstleisters, dass es in Ordnung sei, die ersten drei von fünf Punkten zu liefern, und dass es gut genug sei, einige Tage nach der von seinem Chef ein paar Minuten zuvor gesetzten Frist zu liefern.


Bei einer anderen Gelegenheit gehörte ich zu einer Gruppe von IT-Managern, die nach Skandinavien reisten. Wir hatten intensive Diskussionen über einen umfangreichen Vertrag, der abgeschlossen werden sollte. An einem bestimmten Punkt hatten unsere Verhandlungspartner eine große Meinungsverschiedenheit innerhalb ihrer Gruppe. Sie debattierten emotional mehr als 15 Minuten lang in ihrer Muttersprache, während alle anderen Teilnehmer dasaßen und warteten.

Es ist normalerweise sehr leicht herauszufinden, wenn sich jemand bei der Arbeit unprofessionell verhält. Während die oben genannten Beispiele ziemlich offensichtlich sind, gibt es andere Situationen, die auf einen Mangel an Professionalität hinweisen können:


  • Respektlosigkeit gegenüber anderen, indem sie auf ihren Fehlern herumhacken, sie unterbrechen oder zu spät bzw. unvorbereitet auf Sitzungen kommen

  • Ignoranz im Hinblick auf die Grenzen der eigenen Fähigkeiten gepaart mit der Weigerung, Hilfe zu suchen

  • reaktiv statt proaktiv sein; nicht antizipieren, was die Anforderungen der Kolleg*innen sein könnten

  • sich ausschließlich auf das konzentrieren, was in der Stellenbeschreibung steht, anstatt auf das, was getan werden muss (auch bekannt als "Dienst nach Vorschrift")

  • andere die Arbeit machen lassen oder eine große Lücke zwischen Ankündigung und Ausführung lassen

  • nur kurzfristige Gewinne und sofortige Maßnahmen anstreben, anstatt auf ein langfristiges Ziel hinzuarbeiten

  • Verbreitung von Gerüchten durch Vermischung von voreingenommenen Informationen, vertraulichen Angelegenheiten und privaten Meinungen

  • Unfähigkeit, mit konstruktiver Kritik umzugehen, sowohl beim Geben als auch beim Nehmen von Feedback

  • Vermeidung von Transparenz durch exzessive Verwendung des BCC: Feldes in E-Mail-Headern oder durch die Verweigerung der Messung leicht zu erfassender Daten

  • Entscheidungen, die getroffen wurden, untergraben, indem sie ständig in Frage gestellt werden

Ich höre von vielen Unternehmen, dass sie ihre Kultur weiterentwickeln oder eine bestimmte Art von Kultur etablieren wollen. Kultur hat für mich viel mit der Haltung aller Menschen im Unternehmen zu tun und lässt sich an deren Verhalten ablesen.

Professionalität ist der Nährboden der digitalen Transformation und der Weiterentwicklung im Unternehmen.

In einigen Fällen geben Unternehmen eine Kleiderordnung heraus, setzen eine Richtlinie für saubere Schreibtische durch oder verlangen, dass man das Telefon nach einmaligem Läuten abzuheben hat. Dies hängt eindeutig vom Kontext ab, in dem Sie arbeiten. Meiner Meinung nach geht die professionelle Einstellung weit über die Einhaltung solcher Regeln hinaus.


Alles beginnt mit dem Respekt vor sich selbst und vor anderen. In einem Umfeld, in dem Teamarbeit unerlässlich ist, kann ein Mangel an Ehrlichkeit und Respekt buchstäblich jeden Funken von Teamgeist zunichte machen. Es ist einfach notwendig, jederzeit höflich und fair zu sein, und dazu gehört auch, dass man sich in Selbstkontrolle übt.


Professionalität erfordert auch die Fähigkeit, sich so auszudrücken, dass andere Ihre Sprache verstehen und Ihren Gedanken folgen können. Während in vielen Fällen ein lokales Idiom (vulgo “Dialekt”) charmant sein kann und weitgehend akzeptiert wird, kann sich dies dramatisch ändern, wenn Sie mit Menschen zusammenarbeiten, die eine andere Muttersprache haben. Humor ist auch sehr eng mit dem sprachlichen Hintergrund einer Person verbunden.


Professionell zu sein bedeutet, zu seinen Verpflichtungen zu stehen, einen möglichst analytischen Ansatz anzuwenden und qualitätsorientiert zu handeln. Wenn Sie nicht wollen, dass Ihr Name auf einer Unterlage steht - dann stimmt wahrscheinlich mit der Qualität etwas nicht.


Und schließlich geht es bei der Professionalität um Lernen und Lehren. Profis besuchen Seminare, bauen Netzwerke innerhalb und außerhalb des Unternehmens auf und erbitten Feedback und Vorschläge. Wenn möglich, nehmen Sie Auszubildende oder Trainees auf.


Ich habe meine persönliche Liste mit starken Indikatoren für Professionalität am Arbeitsplatz zusammengestellt:


Sie sind Profis, wenn Sie und Ihre Mitarbeiter...


  • sich bemühen, auf jedes von Ihnen abgelieferte Arbeitsergebnis stolz zu sein

  • ständig bestrebt sind, das Beste zu geben

  • ehrlich und zuverlässig sind

  • Hindernisse beseitigen, welche die Erzielung des Ergebnisses behindern

  • versuchen, sich ständig zu weiterzuentwickeln, auch (aber nicht ausschließlich) in Ihren eigenen Fachgebieten

  • Ownership bzw. Hilfsbereitschaft zeigen, wenn Fehler gemacht wurden

  • Mitarbeiter*innen in respektvoller Weise konfrontieren, wann immer es notwendig ist

  • Erneuerung, Veränderungen und Herausforderungen mit einer insgesamt positiven Einstellung begegnen

  • die Kommunikation verbessern, indem Sie Ihre Fähigkeit zuzuhören ausbauen

  • Ihre Ressourcen optimal nutzen

  • danach streben, ihre eigene Ablenkung sowie die Ihrer Kollegen auf ein Minimum zu beschränken


Professionelles Verhalten ist etwas für Profis. Und es wird mit Erfolg belohnt.

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