• Frank Bieser

Wege aus dem (Innovator's) Dilemma

Aktualisiert: 6. Dez 2019

An Methoden für Innovation und agile Arbeitsweisen herrscht wahrlich kein Mangel. Die wenigsten Unternehmen wissen jedoch, wie sie diese effektiv kombinieren können. Während sich das dogmatische Festhalten an einem einzelnen Vorgehensmodell oft als untauglich erweist, bietet #Shiftup hier eine wertvolle Hilfestellung.

Viele Köche verderben die Innovation

In vielen Unternehmen gehört es mittlerweile zum guten Ton, von Scrum, Tribes, Design Thinking und Customer Centricity zu sprechen. Lean ist man selbstverständlich auch, sprinten kann man bereits, und die ausgemusterten Projektleiter nennen sich jetzt Product Owner. Noch schnell ein paar Hackathons veranstaltet, und fertig ist der Wandel vom als schwerfällig wahrgenommenen Großkonzern (vulgo “Tanker”) hin zur innovativ-hippen Garagenfirma (aka “Schnellboot”), um die uns die eigene Branche sowie das halbe Silicon Valley beneiden.


Leider ist es nicht ganz so einfach.


Zum einen existieren in Unternehmen üblicherweise mehrere Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen gleichzeitig, jedoch in einem unterschiedlichen Grad der Marktreife. Zum anderen wird oft übersehen, dass Übung den Meister macht - sprich, dass viele Schritte der Produktentwicklung mehrfach wiederholt werden müssen, weil sie nicht im ersten Anlauf erfolgversprechend sind.


Hinzu kommt, was Clayton Christensen in seinem Buch “The Innovator’s Dilemma” beschreibt: Auf dem Höhepunkt ökonomischen Erfolgs herrscht Partystimmung, man möchte vom Niedergang der Deckungsbeiträge in einer unvorstellbar fernen Zukunft lieber nichts hören. Obendrein stören disruptive Innovationen den geordneten Produktentwicklungsprozess, den Unternehmen jahr(zehnt)elang geübt haben.


Die Schlüsselfrage lautet: Wie sollen lineare Lösungsansätze oder geometrisch angeordnete Canvasses geeignete Antworten auf sämtliche Herausforderungen komplexer, adaptiver Systeme geben, zu denen Unternehmen in globalen Märkten nun einmal gehören?

Alle Modelle liegen daneben - manche weniger weit als andere

Produktentwicklung unterliegt Lebenszyklen, die jeweils eigene Mechanismen, Methoden und Werkzeuge benötigen. Einige Beispiele:

  • In der Ideenphase des Geschäftsmodells suchen Sie förmlich “die passenden Probleme zu Ihrer Lösung”. Sie gehen experimentell vor, scheitern oft, lernen daraus und probieren mehrmals etwas Neues. Ihre Finanzierung stützt sich auf die 3F: friends, family, and fools. Die Business Model Canvas kann hierbei ebenso hilfreich sein wie LEGO Serious Play. Prototypen aus dem 3D-Drucker lassen Rückschlüsse auf die Haptik zu (“die Hände sehen mit”).

  • Wenn Sie ernsthaft vermuten, dass ein Produkt entstehen könnte, stellen Sie ein kleines Team zusammen, statten es mit notwendigen Ressourcen wie Geld und Zeit aus, und versuchen erste Rückmeldungen vom Markt zu bekommen. Sie nutzen Lean Experiments und validieren, ob es für Ihr Produkt einen Markt gibt. Eventuell haben Sie einen Angel Investor an Ihrer Seite.

  • Sobald auch das gelungen ist, streben Sie nach Stabilisierung. Nachhaltiger Markterfolg darf nicht länger von glücklichen Zufällen oder freundlich gesonnenen NutzerInnen abhängen; Sie als Unternehmer (genau wie potentielle neue Geldgeber) wollen Planbarkeit und Wiederholbarkeit. Sie stellen agile Entwicklungsteams und eine Product Roadmap auf.

  • An diesem Zeitpunkt geht die Exploration- in die Execution-Phase über. Die Überwindung dieser Kluft, die mit negativem Cash Flow auf Konto und Gemüt drückt, ist ein Schlüsselmoment. Wer sich darauf vorbereiten will, sollte einen aufmerksamen Blick in Geoffrey A. Moore’s Buch “Crossing the Chasm” werfen.

  • Mit der prozessualen Basis und entsprechender Finanzierung ausgestattet, müssen sie einerseits das Wachstum beschleunigen und andererseits die Produktentwicklung optimieren. Konfigurierbarkeit ihres Produkts wird wichtiger für die Erschließung neuer Märkte. Growth Hacking bietet Ansätze zur Expansion nicht nur im Internet. Ein Helpdesk kommt ins Spiel.

Es stellt sich in der Praxis heraus, dass erst die Kombination der diversen Ansätze leistungsfähig genug ist, um alle Phasen von Geschäftsmodellen abzudecken. Die aus unserer Sicht grundlegenden Konzepte dabei sind erstens das Denken in Lebenszyklen und zweitens die Wiederholung von Abschnitten so lange, bis genügend Know-How (Daten!) vorhanden sind, um informierte Entscheidungen für das weitere Vorgehen zu treffen. Beizeiten zu wissen, was Sie nicht realisieren, ist Gold wert!

#Shiftup ermöglicht kontinuierliche Innovation

Die #Shiftup Bewegung rund um den Management-Vordenker Jurgen Appelo bringt das Lebenszyklen-Modell in einen unternehmensgerechten Rahmen. Mit interaktiven Workshops, Literatur und Online-Medien verbreitern wir Wissen und trainieren Methoden mit dem Ziel, kontinuierliche Innovation zu einem selbstverständlichen Aspekt Ihres Verhaltensrepertoires werden zu lassen. Die Übungen bringen dabei die wesentlichen Konzepte in Zusammenhang mit dem, was alles zusammenhält: der Einstellung (neudeutsch “Mindset”).


Lifecycle Thinking

#Shiftup kombiniert Methoden in den 10 Phasen der Geschäftsmodellentwicklung:

  1. Initiation (das Geschäftsmodell ist bislang nur eine Idee)

  2. Expedition (erste Experimente)

  3. Formation (ein Team treibt die Idee voran zum Prototypen)

  4. Validation (wiederholte Experimente und Datenerhebung)

  5. Stabilization (Etablierung der Geschäftsidee am Markt, Vorbereitung für Wachstum)

  6. Acceleration (rasches Wachstum, Erschließen weiterer Märkte)

  7. Crystallization (Schaffen von Strukturen, Optimierung von Produktion und Service)

  8. Expansion (Entwicklung von Produktvarianten, neue Märkte)

  9. Conservation (betriebswirtschaflticher Erfolg erreicht, Gewinnphase)

  10. Finish (Beenden des Geschäftsmodells, Neufokussierung des Unternehmens)



Innovation Vortex


Zur Verdeutlichung, dass wesentliche Phasen mehrfach durchlaufen werden müssen, nutzen wir bei #Shiftup das Konzept des Innovations-Strudels, des sogenannten “Innovation Vortex”. Die Strudel-Metapher ist eingängig, weil man genau wie bei einem Wasserstrudel mehrfach am gleichen Punkt vorbeikommt, gleichzeitig aber dem Zentrum entgegenstrebt. Die zunehmende Intensität der Farben verdeutlicht den steigenden Grad an Klarheit, Information und Sicherheit.

Conclusio

Neue Geschäftsmodelle werden durch experimentelle Vorgehensweisen ideal unterstützt: Leichtgewichtige Prototypen, sogenannte Minimum Viable Products (MVP), dienen vorrangig dazu, durch Feedback von relevanten Kundengruppen den Product-Market-Fit abzusichern.


Mit fortschreitendem Reifegrad wechselt das Methodenset von Exploration zu Execution: Ab jetzt geht es darum, eine stabile Basis für Wachstum zu schaffen und Erfolg wiederholbar zu machen. Organisatorische Strukturen werden unverzichtbar für nachhaltige Expansion.


Treibstoff dieser Entwicklung ist das Mindset der Beteiligten: Es braucht Aspekte wie Frustrationstoleranz und Lernwillen, die Menschen müssen Feedback aushalten und neben ihrem unternehmerischen Gespür auch datenbasierte Entscheidungsprozesse zulassen. In späten Phasen ist “bewahren können” eine wichtige Qualität.

#Shiftup bietet einen Rahmen für Unternehmen, um die wirkungsvolle Kombination der Methoden und Werkzeuge interaktiv und multimedial zu erleben.

Von der Theorie zur Praxis

Unsere #Shiftup Workshops vermitteln auf der gesamten Breite relevantes Grundlagenwissen, werden dann aber auf die Teilnehmergruppe maßgeschneidert. ProduktmanagerInnen, GründerInnen und Führungskräfte haben erfolgreich teilgenommen und nicht nur praxistaugliches Wissen erworben, sondern menschlich wertvolle Kontakte geknüpft. Und das Beste: Auch der Spaß kommt nicht zu kurz!


Hier finden Sie eine Übersicht der nächsten #Shiftup Workshops.

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